Was macht der Segler, wenn es zum Segeln draußen zu kalt ist und man sich drinnen zum drüber Reden nicht treffen soll? — Auch im zweiten Pandemiewinter bewies der SCR wieder Kreativität und verlegte seine theoretische Segelausbildung kurzerhand ins Online-Revier.
An 18 Abenden seit November treffen sich das SCR-Ausbildungsteam (Reinhard Beer, Doris Schmidt und Herbert Beyer) mit einem guten Dutzend Segelfans im Alter von U18 bis Ü60 in virtueller Runde, um die Theorie für den SKS (oder „Sportküstenschifferschein, wie das Wortungetüm korrekt heißt) zu lernen. Auch wenn zum Führen eines handelsüblichen Segelboots meist nur der Sportboot-Führerschein notwendig ist, wird der SKS in der Praxis gern gesehen. Zum Beispiel von Vercharterern als Beweis dafür, dass Segelkenntnisse in Theorie und Praxis auch wirklich vertieft vorhanden sind, und nicht nur durch fleißiges Studium von Boris Hermanns Youtube-Kanal oder dem Hafenkino auf der Terrasse des Rheinseglers vermutet werden.
Die Inhalte sind dabei durchaus anspruchsvoll: Neben der Vertiefung von Grundwissen (See- & Lichtzeichen, Schifffahrtsrecht, Wetterkunde, Seemannschaft, Segeltheorie und Manöverkunde) liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Navigation. Konkret sieht das dann so aus, wie auf den Fotos zu sehen: Die Teilnehmer finden sich zu Hause vor dem Computer ein, ausgerüstet mit Lehrbüchern, Nachschlagewerk, Zirkel, Kurs- und Anlegedreieck, einer Grundausstattung spitzer Bleistifte (der Radiergummi darf nicht fehlen), Papier und einigem mehr. Das braucht durchaus Platz, denn alleine die offizielle Übungskarte misst sportliche 120 x 80 cm. Da muss dann schon mal der ein oder andere Küchentisch freigemacht werden und der Partner zum verlängerten Spaziergang vertrieben werden.
Kursleiter Reinhard Beer sorgt derweil mit Dokumentenkamera und detaillierten Anleitungen dafür, dass alle seinen Erklärungen und live entstehenden Zeichnungen millimetergenau folgen können. Eine Teilnehmerin berichtet: „Ich kann das hier fast besser beobachten, als wenn ich das im Raum aus der letzten Reihe an der Leinwand sehe. Das gleicht ein wenig aus, dass wir uns nicht persönlich treffen, was natürlich schade ist.“ Die pandemiebedingten Rahmenbedingungen lassen sich zwar nicht ändern, doch das Format ist interaktiv und lässt viel Raum für individuelle Fragen und Hilfestellungen.
Das ist auch notwendig, denn schließlich wollen die Kandidaten bis zum Frühjahr zusätzlich zum Lehrstoff und individuellen Übungsaufgaben auch den kompletten offiziellen Katalog an Prüfungsfragen mindestens einmal durcharbeiten. Diese sind zahlreich, brauchen Zeit und müssen exakt berechnet und gezeichnet werden. Das erfordert auch von denjenigen im Kurs einiges ab, die schon über längere Segelerfahrung oder eigenes Boot verfügen. In der Hinsicht ist der Teilnehmerkreis übrigens ebenso bunt gemischt wie bei Alter, Geschlecht oder digitalen Vorkenntnissen. Aber der Kurs hat gezeigt, daß sich die Herausforderungen im Team lösen lassen -- das kennt man ja aus der Segelpraxis.
Sofern nichts dazwischen kommt, stehen ab März dann die Teilnahme an der theoretischen Prüfung, sowie im Verlauf des Sommers ein Übungstörn mit anschließender Praxisprüfung an. Aber bis dahin müssen noch einige Stromdreiecke gezeichnet und Gezeiten berechnet werden...
Übrigens: Vom 21.3. bis 7.4. findet ein Online Kurs zum SBF See statt. Interessenten mögen bitte mit Reinhard Beer per E-Mail Kontakt aufnehmen unter seebeer (at) t-online . de.