Der Frühling ist da. Und wer die letzten Monate zusammen mit seinem Boot im Winterlager geschlafen hat und erst jetzt wieder am Clubgelände vorbeischaut, wird sich verdutzt die Augen reiben. Es sieht anders aus. Ganz anders. Ja, das ist volle Absicht! Wobei die meisten Clubmitglieder kaum Zeit zum persönlichen Winterlager gehabt haben dürften – schließlich waren sie alle gut beschäftigt…

Wer in den vergangenen sechs Monaten regelmäßig in der Werftstraße war, hat den wahrscheinlich größten freiwilligen Arbeitseinsatz der jüngeren SCR-Geschichte erlebt. Seit dem vergangenen Herbst gab es kaum einen Tag, an dem nicht fleißige Heinzelmännchen die Segel- gegen die Arbeitshandschuhe eingetauscht hatten und eifrig Hammer, Pinsel und schweres Baugerät schwangen.

Warum eigentlich?

Der Club hat in den vergangen zwei Jahrzehnten viel in seine seglerische Infrastruktur investiert. Erst wurde ein eigener Kran errichtet, später (trotz Pandemie) eine neue leistungsfähige Steganlage mit Liegeplätzen für 52 Boote an Schwimmstegen gebaut. Außerdem wurden der „schwimmende Fuhrpark“ (Begleitboote für Ausbildung und Regatta) erneuert. Und auch an der segelnden Flotte (u.a. Optimisten, Jollen) tut sich ständig etwas. 

Nur das Clubhaus hatte nach der letzten größere Erweiterung von 1992 inzwischen reichlich Patina angesetzt. Insbesondere im Erdgeschoß und auf der Terrasse hatte sich gezeigt, dass es nicht mehr allen heutigen Anforderungen gerecht wurde. Nach einer längeren Phase der Ideenfindung unter breiter Beteiligung der Clubmitglieder hatte eine außerordentliche Hauptversammlung des Clubs im September 2023 die Freigabe und den Startschuss gegeben.

Noch am selben Tag erfolgte der symbolische erste Spatenstich und die professionellen Planung der Gewerke und des Arbeitsdienstes konnte beginnen. Unverzüglich wurde Angebote für Türen, Platten, Fenster und viele andere Dinge eingeholt. Es wurde exakt gemessen, hart verhandelt und schließlich bestellt. Die selbstauferlegte Budgetgrenze zwang zu sparsamem Haushalten, gelegentlichen Kompromissen und vor allem aktiver Mitarbeit der Mitglieder.

Was ist passiert?

Das Ziel der Renovierungsaktion war eine grundlegende Umgestaltung und Modernisierung des gesamten ebenerdigen Bereichs. Dabei wurden mehrere Ziele verfolgt:

  • Behindertengerechter Umbau: Die Treppe vor dem Haupteingang wurde durch eine stufenlose Rampe ersetzt. Auch die Sanitärräume erhielten eine behindertengerechte Kabine sowie neue Dusche und wurden grundsaniert. Und der Flur wurde gleich mit verputzt und gestrichen. Ein zusätzlicher Eingang an der Gebäuderückseite erlaubt künftig den Zugang für Gastlieger, auch ohne direkten Zugang zum restlichen Clubhaus.
  • Energetische Sanierung: Das Clubhaus bekommt in zwei Schritten neue Fenster, welche die heutigen Anforderungen an Wärmeinsolierung erfüllen und die Heizkosten künftig deutlich verringern sollten. Bei der Gelegenheit wurde gleich ein neuer Durchgang vom Gastraum auf die Terrasse eingebaut. Das sollte den „Stau“ im Flur, insbesondere bei Großveranstaltungen künftig beheben. (Das müssen wir natürlich testen: Hier gehts zu den Regatta-Anmeldungen…)
  • Gastliche Terrasse: Die Terasse wurde begradigt und vergrößert. Damit die Wiese davor wieder künftig den Seglern uneingeschränkt zur Verfügung stehen kann (z.B. zum Segel falten und Material organisieren), wurde die Fläche außerdem leicht angehoben und damit eine klare Abgrenzung hergestellt. Außerdem ist der Blick auf gelungene oder auch kinoreife Hafenmanöver jetzt „zwei Stufen besser“. Eine Rollstuhlrampe sorgt auch hier für Barrierefreiheit und in Kürze sollten auch neue Sonnensegel geliefert werden. Damit entfällt die Hektik an den Sonnenschirmen, wenn der Wind mal wieder auffrischt. (Schließlich ist der Segler ja nur an seiner Schot auf sowas vorbereitet…)
  • Praktischeres Freigelände: Mit den neuen Zugängen zu Clubhaus und Terasse wurden auch die restlichen Wegeführungen, sowie die Anordnung der Parkplätze angepasst. Wer mit dem Bootsanhänger kommt, findet nun eine weniger slalomträchtige Strecke zum Kran vor und hält zudem mehr Abstand zu den sensiblen Rieslinggläsern auf den Terassentischen. Und kann in Kürze die neu angeordneten Grünflächen und Anpflanzungen bewundern. Ebenso wie die neuen Fahrradplätze und weitere Umgestaltungen im Gelände.

Und das waren nur die großen Sachen. Nebenbei wurde viel in Schönheit und Sauberkeit investiert und auch das Obergeschoss hat neue Farbe und ein Teppich-Upgrade bekommen.

Wer hat’s gemacht?

Wir alle!

Unendlich viele SCR-Heinzelmännchen haben sich seit Oktober bei jedem Wind und Wetter kalte Ohren, steife Finger und die einen oder anderen Rückenschmerzen geholt und trotzdem nie aufgegeben.

  • Erst musste alles demontiert und gelagert werden (wir denken noch mit Freude an den Transport des federleichten Terassenmobiliars in den 1. Stock).
  • Anschließend wurde durchgebrochen, abgerissen, weggetragen und verladen (wir erinnern uns mit ebensolcher Freude an Terassenplatten, Wandsteine und Erdaushub).
  • Dann wurde neu angeliefert, gebaut, verlegt, planiert, gemauert und verputzt (wir erinnern uns an die langsam steigender Vorfreude auf das Endergebnis).
  • Schließlich wurde gesät, geschraubt, gemalert und geputzt (wobei dann noch vierhundertachtundsiebzig Dinge ein- und auffielen, die auch noch zu erledigen waren, einschließlich des Rückwegs all der vielen umgelagerten Gegenstände…).

Was für ein Kraftakt! Der Segelclub Rheingau könnt nicht glücklicher sein über das Feuerwerk an Kompetenz, Einsatz und Leistung, das die Clubmitglieder in diesem Winterhalbjahr gezündet haben.

Der SCR – ein tolles Team!

Einen riesengroßen Dank an alle, die ihre professionelle Expertise, Werkzeuge und manch schweres Gerät in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Und als Masterminds die Planung, Durchführung und Finanzierung im Griff hatten. — Die Experten: Manfred Dersch, Jobst Seeger, Rainer Heute, Wolfram Fischer, Alex Cross.

Darüber hinaus allen, die ihre ggf. weniger professionelle Vorbildung und Ausstattung durch Einsatz und Leidenschaft wettmachten und nach meist nur kurzer Anleitung viele kleine und große Gewerke schultern konnten. Oder Kaffee und Mittagessen vorbeibrachten. Oder den einen oder anderen Euro aus eigener Tasche beigesteuert haben. Oder den perfekten Geistesblitz zur richtigen Zeit hatten. Und vieles mehr! — Die Helfer: Jan Trzebinern, Lutz Horbach, Sabine Horbach, Hanns-Wolf Holland, Udo Wüstendörfer, Karl Heinz Mohr, Ansgar Knauf, Jens Habl, Sandra Haglauer, Ralf Gehrmann, Jörg Hildebrand, Klaus Detmann, Bettina Detmann, Jörn Smialy, Steffen Kautz, Stephan Karl, Iris Karl, Sebastian Beyer, Tobias Neumayer, Bernd Heidlindemann, Hartmut Lennich, Josef Menke, Günther Kröber, Heinz Jürgen Böhnke, Andreas Brzezinski, Conny Schonhart, Tobias Simon, Anka Dübbers, Matthias Hebel, Uli Rosskopf, Barbara Lang, Werner Schurr, Renate Quermann, Helmut Quermann, Hanne-Marie Holland, Karina Mehl, Jörg Fleischer, Malte Hertzberg, Otto Hertzberg, Rasmus Engels, Sandra Quittkat, Jürgen Thiel, Joachim Arndt, Reinhard Beer, Holger Zimmermann, Konstantin v. Holtum, Karsten Mehl, Jesper Fleischer, Dagmar Söder, Doris Schmidt …und für die Versorgung an Katrin Mehl, Gudrun Dersch und Andrea Mohr …und an alle weiteren Mitglieder, Freunde und Unterstützer die noch kommen werden.

Ein ganz besonders großen Dank schuldet der SCR aber demjenigen, der alles koordiniert und die Arbeitsdienste organisiert hat. Und an manch spätem Abend per Mail über den Stand der Dinge und den Bedarf nach tatkräftiger Unterstützung an den Folgetagen informierte. Und dann telefonierte, reorganisierte und mit stoischer Ruhe alle Unwägbarkeiten im Griff hatte. Der Beste Koordinator der Welt: Hans-Georg „Goff“ Löffler !

(Haben wir jemanden vergessen? Wahrscheinlich. Nicht böse sein, bitte melden…!)

Und was kommt jetzt?

Nachdem inzwischen etwa dreihundertsiebenundneunzig der noch offenen Kleinigkeiten (“hier fehlt noch eine Schraube…”) erledigt sind, gibt es zum Ansegeln am 1. Mai erst einmal eine große Einweihungsfeier. Anschließend haben wir sechs Monate Westwind, Sonnenschein und ein umfangreiches Regattaprogramm eingeplant. Im Herbst folgt dann noch einmal eine (deutlich kleinere) Projektphase, in der dann noch die restlichen Fenster im Clubhaus angegangen werden. Und ggf. sieben bis elf noch ausstehende Schrauben…