Nach über einem Jahr Planung ist es endlich soweit: Die Rheinwoche 2025 kehrt zu den Ursprüngen der Rheinsegelei in den Rheingau zurück. Schließlich hatte sich hier im Jahre 1900 der Segelclub Rheingau… ach, lassen wir das, es ist ja schon runde 125 Jahre her. Und fast so viele Schiffe waren es auch, die sich seit Jahresbeginn registriert hatten. Wir waren überwältigt von der großen Resonanz, die uns bereits zur Boot 2025 entgegenschlug. Kurz danach war schon die Warteliste eröffnet und unzählige Helfer aus dem Club hatten alle Hände voll zu tun. Inzwischen liegen jetzt mehr als ein Jahr Vorbereitung hinter uns und wir freuen uns wie einst im Opti vor dem ersten Segelschlag. Über allem lag jedoch stets die alles entscheidende Frage:

Wetter oder kein Wetter?

Wir wissen gar nicht, wie oft wir in den vergangenen Wochen Wasserstands- und Windprognosen abgeglichen haben. Vom Wasser bitte nicht zu viel und nicht zu wenig, vom Wind möglichst genug und idealerweise aus westlichen Richtungen. Wilde Wetten wurden abgegeben, aber als die Vorbereitung auf die Zielgerade einbogen, fügte sich vieles zusammen. Die Großwetterlage war stabil westwindlich und segelfreundlich, wenngleich der gewünschte Lufthauch sich durchaus als böig herausstellte und immer wieder Wasser von oben mit sich brachte. In den Tagen vor dem Start waren zahlreiche Gewitter und Starkregen durch das Rheintal gezogen so dass der Wasserstand mit 3,15 Pegel am Freitag schon erste Wellen über das Leitwerk der Wallufer Bucht schickte. Egal – Wir können segeln!

Zeit oder Kein Zelt?

Passend zu diesen Bedingungen wurde am Donnerstag schließlich ein großes Zelt geliefert, was den Einsatz von einem guten Dutzend Freiwilliger nötig machte, um für Bänke, Tische und empfindliche Seglerköpfe einen Schutz vor möglichen weiteren Unbillen des Wetters zu errichten. Zu diesem Zeitpunkt waren schon Bierwagen, Weinstände, Foodtrucks und Bühne aufgebaut, Flüssigkeiten in Kisten, Flaschen und Fässchen verstaut, Kühltruhen und -schränke vorbereitet und Starkstromleitungen verlegt. Nicht immer waren die Helfer dabei trocken geblieben, aber niemand hat sich beklagt. Wobei man das vor lauter Wind und Fallenklappern sowieso nicht gehört hätte. Doch über das Zelt waren dann doch alle irgendwie erleichtert. Und natürlich darüber, dass die generalstabsmäßige Planung sämtlicher Quadratmeter auf dem Club Gelände perfekt gepasst hat und (fast alles) freigeräumt war.

Leere Stege – volle Stege!

Schon frühzeitig hatte das Organisationsteam nämlich die klare Order an alle Clubmitglieder ausgegeben: das Gelände muss frei sein! Alle Boote, die sonst an Land liegen, hatten rechtzeitig drei Tage vor Veranstaltungsbeginn im Wasser zu sein, die wenigen Boote, die nicht an der Regatta teilnehmen würden, hatten zum gleichen Zeitpunkt, den Steg zu verlassen und Platz für Gäste zu machen. Das hat dann auch weitgehend gut geklappt (an die, die zu spät waren… wir haben verstanden, Ihr spendiert Freibier!) — und schon am Donnerstag standen die ersten Trailer unter dem Kran. Gut auch, dass niemand selbst mit seinem wertvollen Gespann bis an die Uferkante manövrieren musste, hier hat sich der Mover, den der Verein im vergangenen Jahr angeschafft hatte, bewährt. Die Boote wurden vom bereitstehenden Kranteam in Empfang genommen und während die Besitzer noch ihr Zugfahrzeug wendeten, waren schon Gurt oder Heißstropp vorbereitet. Der rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn general-inspizierte Kran begann mit seiner schweren Dauerarbeit, aber dank der erfahrenen und dreifach sicherheitseingewiesenen Kranmeister lief alles ohne Hektik ab. Ein wenig anders sah es jedoch aus, wenn insbesondere die unmotorisierten Jollen quer zu Wind und Steg ihren Platz an den extra vor den Stegköpfen ausgelegten Bojen suchten. Mit Schlepp- und Manövrierhilfe durch die Sicherungsboote des Clubs und gelegentlichen zusätzlichen Händen ging aber alles soweit gut.

Der Morgen nach und vor dem Sturm

Während der nächtliche Sturm am Freitagmorgen langsam ab- und die Mastendichte vor dem Clubhaus langsam zunahm, bereitete sich das Regattabüro auf den ersten An-Sturm vor. Zwar war der hierzu bereitstehende Bauwagen schon am Vortag eingerichtet worden, aber nun galt es, Anmeldungen zu sortieren, Gäste zu begrüßen und zwischendurch Pinnwände mit Klassenlisten und Anweisungen zu bestücken. Dazu wurden letzte Banner montiert, Absperrungen errichtet und der obligatorische Anti-Amok-Truck vor dem Eingang geparkt. “Polizeilich geprüfter” Kaffee (lecker) mit ordnungsbehördlicher Hilfestellung bei der Dosierung der richtigen Koffein-Menge war ein Segen für das Aufbauteam und sorgte parallel zur erstmals aufziehenden Sonne für zunehmend gute Stimmung. Nebenbei regelten die Herren in Blau entspannt und ohne Blaulicht den Verkehr vor dem Clubgelände und hatten alles Griff, selbst wenn einmal drei auswärtige und nicht ortskundige Gespanne auf einmal um die Kurve bogen. Gemeinschaftlich wurden alle Fragen geklärt, Fahrer eingewiesen und Probleme beseitigt, bevor sie aufkamen. Wir danken nicht nur ihnen, sondern auch der Gemeinde, die dankenswerterweise den Platz hervorragend gesichert hatte.

Arbeit vor und hinter den Kulissen

Während den Tag über weiter Gespanne ankamen, Boote eingekrant und letzte Vorbereitungen getroffen wurden, wuselte es auf dem Steg schon rekordverdächtig. Auf vielen Schiffen wurde gebastelt geschraubt, geknotet und die letzte (ganz sicher den Sieg gewährleistende) Optimierung am Boot vorgenommen. Wer fertig war, den zog es auch schon einmal direkt aufs Wasser. Bei 5 Beaufort gleich mit Schmackes um den Stegkopf und schnell unter maximaler Schräglage gen Westen. Einige Revierneulinge hatten sich clevererweise einheimische Guides zur Revierfahrt organisiert, andere machten lieber alleine Bekanntschaft mit dem felsigen Galgengrund vor der Rheingauer Riviera. Immerhin der beste Test, dass der Kiel stabil ist. Andere waren zur der Zeit noch dabei, auch noch den letzten Fussel am Kielansatz nachzupolieren, bevor der Kran in Aktion trat. Wir freuen uns jetzt schon drauf, zu sehen wie das dann am Montag nach drei Tagen im Rheinwasser aussieht…

Währenddessen rotierte Orga-Leiter Uli Rosskopf im Race Office und SCR-Hauptquartier neben dem Clubhauseingang. „Uli wohin soll dies…“, „was machen wir mit…?“, „uns fehlt noch…“, „was machen wir wenn…?“, „Uli, ich hab da noch eine tolle Idee…“ — Nicht viel anders klang es am Registrierungstresen, wo mit fortschreitendem Nachmittag der Andrang stieg: „Ich bin jetzt da!“, wo bekomme ich?“, „was mache ich mit…?“, „um wieviel Uhr…“. Währenddessen erkannten sich alte Bekannte („Kennen wir uns nicht von der Rheinwoche 2023?“ – „Nein, das war vor zwei Jahren“) und tauschten erste Stories von früher. So langsam steigerte sich die Stimmung an allen Ecken. Es wird Zeit für den…

Regatta-Heiligabend!

Punkt 20:00 begrüßten SCR-Vorsitzender Alexander Cross und  Organisationsleiter Ulrich Rosskopf (am von Inge Fischer blumengeschmückten Podium) die rund 350 angereisten Teilnehmer, die nicht nur aus vielen verschiedenen Revieren in Deutschland, sondern auch aus Frankreich und England angereist waren. Mit Unterstützung von Klaus-Peter Willsch (langjähriger Bundestagsabgeordneter des Rheingau-Taunus-Kreises), Nikolaos Stavridis (Bürgermeister der Gemeinde Walluf) und Christoph Graf (Vorstand der Sektkellerei Schloss VAUX) wurde die Rheinwoche 2025 feierlich eröffnet. Bei Musik und atmosphärischer Beleuchtung wurde es ein erster spannender Abend… Passend zu einem weiteren Starkregen gab es dann noch einen Shanty-Flashmob der die Menge im Festzelt zum Mitsingen animierte. Wenn das nicht mal das Gewitter vertreibt!